Tag des Offenen Denkmals 2022 „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ war ein voller Erfolg

Der Tag des Offenen Denkmals in der Schloss- und Parkanlage Wilhelmsthal war mit rund 1.000 Besuchern ein voller Erfolg.

Im Folgenden geben wir einen Artikel der freien Mitarbeiterin Heidi Zengerling wieder, den sie für die „Thüringer Allgemeine“ schrieb und der so am 13. September 2022 erschien. Sie begleitete ganztägig den Tag des Offenen Denkmals in Wilhelmsthal.

„Zu schön, um zu verstummen – Die Schloss- und Parkanlage Wilhelmsthal“ ist der Titel des Buches von Christian Knobloch, der für den Tag des offenen Denkmals von Meißen angereist war, um den Interessierten sein Wissen um die Schloss- und Parkanlage zu vermitteln. Dem diesjährigen Motto „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ entsprechend präsentierte  sich das barocke Jagd- und Lustschlossensemble mit verschiedenen thematischen Sonderführungen, die hunderte Besucher anlockten. Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Förderkreises Schlossanlage Wilhelmsthal e.V. äußerte sich erfreut über die positive Resonanz, die für den Verein und seine Mitglieder ein Stück weit Motivation für die Zukunft seien.  

Die 1994 errichtete Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten betreut derzeit 31 kunst- und kulturhistorische Liegenschaften des Landes, seit 2009 auch die Wilhelmsthaler Schloss- und Parkanlage, die in ihrer Besonderheit und Einzigartigkeit aus der Liste heraus sticht. Schon Goethe war fasziniert von Wilhelmsthal. So heißt es in seinem Gedicht „Dem Könige die Muse“: „um der Blumeninsel Düfte gleitet still der leichte Kahn. Hochherab durch Felsgeklüfte winkt dem Wandrer sichre Bahn“  

Die Sommerresidenz der Großherzöge Sachsen-Weimars geht auf Herzog Johann Wilhelm zurück, der um 1700 mit der Erbauung einer nach ihm benannten barocken Jagd- und Lustschlossanlage begann. Carl August ließ schließlich 1795 die barocke Gartenanlage zu einem weitläufigen Landschaftspark verändern und gab dem Ensemble sein prägendes Bild. Unter Großherzog Carl Alexander wurde 1853 der Park nach Entwürfen von Fürst Pückler umgestaltet.  

Nordian Renner vom Förderkreis stellte seinen Spaziergang über Prinzessinnensteig und Hirschstein unter das Motto „Von Gottlob König bis zum Klimawandel – Gedanken zur Waldästhetik“ und gab Einblicke in die Natur der Umgebung. Thematisiert wurde der unvermeidliche Interessenkonflikt bezüglich der Themen Erholung, Nutzung und Schutz. Der Begriff Nachhaltigkeit wurde nicht außen vor gelassen. Es wurde klar, dass bei Nutzung der Wälder auch für deren Regeneration Sorgen getragen werden müsse.  

Stündlich angebotene Führungen über das Gelände gaben Einblick in die Bedeutung der historischen Anlage sowie deren Vergangenheit. Peter Arends vom Förderkreis wusste die Besucher mit Anekdoten und kurzweilig präsentierten Informationen in seinen Bann zu ziehen und Volker Weber nahm die Besucher mit auf eine 300-jährige Zeitreise.  

Diplomingenieurin Silvia Wagner von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gewährte interessante Einblicke in die baulichen Maßnahmen des neuen Schlosses. Im Telemannsaal, dem ältesten freistehenden Konzertsaal Europas mit einzigartiger Akustik und Ort der Uraufführung zahlreicher Serenaden Georg Philipp Telemanns, konnten die Besucher den Restauratoren des Gothaer Ateliers Gerlach über die Schulter schauen. Angedacht sei für die Zukunft, die Räumlichkeiten in den Sommermonaten für Konzerte oder Lesungen zu nutzen. Langfristig sei eine alternative Stromerzeugung geplant. 

Pfingsten 2023 soll, so Arends, wenn alles wie geplant verlaufe, das erste Konzert stattfinden. Silvia Wagner sprach sich dafür aus, den Charme der Anlage zu erhalten – denkmalverträglich wiederherzustellen und der Schlossanlage Stück für Stück Leben zurück zu bringen. „Die Menschen lieben ihr Wilhelmsthal“, wusste sie zu bemerken. Restaurator Thomas Werner beschäftigte sich innerhalb seiner Führung mit dem bauzeitlichen Interieur und zitierte dazu aus zeitgenössischen Dokumenten.  

Der Tag wurde außerdem genutzt, um symbolisch zwei vom Förderkreis finanzierte Bänke zu übergeben. Sie werden ab der Gartensaison 2023 auf der historisch verbrieften Halbinsel im westlichen Bereich des Sees auf dem technischen Denkmal Staudamm ihren festen Platz finden. Jonathan Simon – Gartenreferent der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten – zeigte sich dankbar für die Unterstützung des Förderkreises, da solche kleinen Anschaffungen weniger Priorität haben, jedoch große Wirkung erzielen. Für den Verein sei dies ein konkreter Bezugspunkt, so Weber. Für das Winterhalbjahr sei die Erstellung von digitalem und analogem Kartenmaterial geplant.

Heidi Zengerling

Fotos: Volker Weber und Heidi Zengerling (2)